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TV Maar

Vereinsgeschichte ist aktualisiert - wird aber weiter überarbeitet.

www.tv-maar.de, Seite: Vereinsgeschichte    Datum: 19.Aug.2017

Die Entwicklung vom "Turn"-Verein zum Mehrspartenverein

Versetzen wir uns in das Jahr 1919.

Es war ein Jahr in Deutschland, in dem sich die Bürger andere Gedanken machen mussten als sich mit der Gründung eines Turnvereins zu beschäftigen. 1919 war das erste Jahr nach dem verlorenen ersten Weltkrieg. Deutschland war politisch zerrissen, die Monarchie der deutschen Kaiser war von den Siegermächten gerade abgeschafft worden und eine neue funktionsfähige Regierungsform war noch nicht in Sicht.

Wirtschaftlich sah es noch schlechter aus. Nach dem verlorenen Krieg und den zu zahlenden Reparationskosten an die Siegermächte waren Industrie, Handel und Gewerbe am Boden zerstört. Armut, Hunger und Verzweiflung herrschten in ganz Deutschland und auch Maar wurde von diesen Entwicklungen nicht verschont.

Es war die Zeit der Geldentwertung. 1 Kilogramm Butter kostete 6 Billionen Mark (6.000.000.000.000.- Mark). Der Devisenkurs für 1 Dollar lag bei 4,2 Billionen Mark. Eine unvorstellbare Währungsparität.

Was also hat die Gründer bewogen, sich in dieser schwierigen Zeit mit der Gründung eines Turnvereins auseinander zu setzen? 

Es bleibt bis heute ein Geheimnis.

Vielleicht waren es gerade die schlechten Zeiten, das Verständnis nur gemeinsam etwas zum Besseren wenden zu können, die das Motiv für die Gründung lieferten.

Der Lauterbacher Anzeiger berichtete in seiner Dienstagsausgabe vom 23. September 1919 von der Gründung des TV 1919 Maar am 20. September, dem bis dahin bereits 51 Mitglieder beigetreten waren.

In den Vorstand wurden gewählt:

1. Vorsitzender:     Lehrer Stephan

2. Vorsitzender:     Johannes Zinn II

1. Schriftführer:     Lehrer Rühl

2. Schriftführer:     Lehrer Ackermann

Rechner:                 Konrad Schäfer

1. Turnwart:           Heinrich Lomp, Wilhelm Blum

2. Turnwart:           Hans Euler

1. Beisitzer:            Heinrich Helfenbein

2. Beisitzer:            Heinrich Mangold

Weiterhin sind aus alten Aufzeichnungen und Überlieferungen folgende Gründungsmitglieder bekannt:

Johannes Zinn  III. (Fuhr)Beruf: Landwirt

Heinrich Weller III.   Beruf: Landwirt

Ludwig Stephan        Beruf Lehrer

Georg Walther III.     Beruf  Buchdrucker

Wilhelm Blum           Beruf Schreiner

August Dahmer         Beruf: Arbeiter

Hans Euler I.              Beruf: Bankbeamter

Fritz Rühl                   Beruf: Lehrer

Heinrich Hedtrich     Beruf:Arbeiter

Andreas Hedtrich:     Beruf :Wagner

Karl Hermann:           Beruf :Arbeiter       

Im Jahr 1920 löste Johannes Zinn III. (Fuhr) den 1. Vorsitzenden des TV Maar, Herrn Lehrer Stephan als 1. Vorsitzenden ab. Johannes Zinn war bis 1933 1. Vorsitzender des Turnvereins Maar. In dieser Zeit hat man sich hauptsächlich dem Turnen  verschrieben. Unter Turnen verstand man damals zum einen das Geräteturnen und zum anderen das volkstümliche Turnen, das heute unter Leichtathletik bekannt ist.

Da anfangs niemand zur Verfügung stand, der turnerisch vorgebildet war und den Übungsbetrieb hätte leiten können, übernahm Lehrer Stefan die Leitung der ersten Übungsstunden. Man turnte zunächst leichte Ãœbungen, die man einem für das Schulturnen bestimmten Lehrbuch entnahm.

Die ersten Turnstunden "unter Dach" wurden im Saal der Gastwirtschaft Rausch abgehalten. Später wurde im Saal "Zur Post" geturnt, bis man im neu gebauten Saale der Gastwirtschaft Hofmann einen für damalige Verhältnisse ausgezeichneten Ãœbungsraum zur Verfügung hatte.

Die Übungsstunden für das volkstümliche Turnen im Freien wurden auf dem Platz der Kirche durchgeführt.

Zu Wettkämpfen besuchte man regelmäßig die Hoherodskopffeste, wo man das volkstümliche Turnen, (es bestand aus Laufen, Kugelstoßen, Stabhochsprung, Weitsprung und Hochspringen) bevorzugte. Das eigentliche Geräteturnen war in dieser Zeit relativ schwierig, da man kein Geld hatte sich gute Geräte zu besorgen. Es wurden jedoch in Eigenleistung provisorische Geräte gebaut; so ein Reck und ein Holzbarren. Später wurde dann auch eine Sammlung durchgeführt, bei der neben Geldspenden auch Sachspenden in Form von Getreide gesammelt wurden, damit man die dringend benötigten Geräte anschaffen konnte. Trotz der widrigen Umstände unter denen die Maarer  Turner ihre Turnstunden abhalten mussten, gehörten sie bald zu den erfolgreichsten Turnern im Gau.

Später stellte nach anfänglichem Zögern die Gemeinde dem Turnverein ein Gelände an der Lehmkaut zur Verfügung. Dieses Gelände wurde von den Turnern eingeebnet, eingesät und zum ersten Turn- bzw. Sportplatz hergerichtet.

Zu welchem Idealismus die Maarer Turner bereit waren, zeigen die vielen Eintragungen in das Protokollbuch des Vereins, das lückenlos ab dem 11. November 1926 vorhanden ist. Leider ist über den Verbleib des Protokollbuches für die Zeit von 1919 bis 1926 nichts bekannt. 

Dass die Turner nicht nur im sportlichen Bereich zusammenstanden, sondern sich auch für das Gemeinwohl im Dorf engagierten, zeigt ein Zeitungsbericht vom 19. Dezember 1926, in dem über die vom Turnverein veranstaltete Weihnachtsfeier berichtet wurde:

Ausschnitt:  Eine schöne Weihnachtsfeier veranstaltete gestern Abend der hiesige Turnverein.  Nachdem der Vorsitzende die große Zahl der Erschienen herzlich begrüßt, dem Gesangsverein für seine Mitwirkung und dem Kriegerverein für sein Erscheinen gedankt hatte, nahm die Veranstaltung einen flotten Verlauf. Gedichte unterm brennenden Weihnachtsbaum, Lieder des Gesangsvereins wechselten mit Theaterstücken ernsten und heiteren Inhalts und vor allem turnerischen Ãœbungen.

Es würde zu weit führen, alle Einzelleistungen besonders zu würdigen. Als man sich gegen 1 Uhr nach Hause begab war nur eine Meinung zu hören: Der Turnverein hat es wieder mal schön gemacht! Der Dank dafür gebührt in erster Linie den Mitwirkenden, aber auch der dicht besetzte Saal trug wesentlich zum Gelingen bei. Es gilt das immer zu beherzigen, was der Vorsitzende des Kriegervereins, Herr Georg Bensel, in seiner begeisternden Ansprache zum Ausdruck brachte: Einigkeit unter den Vereinen- Einigkeit im Dorf.

Im Jahre 1926 wurde eine zweite Abteilung in den TV Maar integriert. Es war die bis heute existierende Handballabteilung. Wie berichtet wird, mussten die damaligen Handballer zu ihren Spielen noch mit dem Fahrrad fahren. Das bedeutete, dass man teilweise morgens um 10.00 Uhr weggefahren ist, um nachmittags um 15.00 Uhr zu spielen. Eine heute unvorstellbare Leistung. Später fuhr man zu den Spielen mit einem alten Holzvergaser. Die 1. Mannschaft spielte bis zum Beginn des 2. Weltkrieges in der Gauliga Gießen und gehörte dort zu den führenden Mannschaften.

Der TV Maar entwickelte sich zu einem aufstrebenden Verein, der weit über die Grenzen bekannt war. Wie aus den Protokollen und aus Zeitungen berichtet wird  wurden an Bezirksturnfesten, Gauturnfesten und weiteren Turnieren regelmäßig mit Erfolg teilgenommen.

Dann zog die dunkle Zeit des Nationalsozialismus in die Vereine ein.

Alle Turnvereine wurden 1933 gleichgeschaltet. Das bedeutete, dass die Vereine ihre Ideale mit den politischen Programmen und Zielen der Nationalsozialisten in Ãœbereinstimmung bringen mussten. Altvorstände mussten abdanken bzw. neu gewählt werden. Damit erhofften sich die Nationalsozialisten, Gesinnungsgenossen und Sympathisanten in die Vorstände der Vereine ein zu bringen und somit Kontrolle über die Vereine zu erlangen.

Vom Deutschen Reichsbund für Leibesübungen wurde für alle Turnvereine eine einheitliche Satzung vorgeschrieben, die heute noch im Original in den Vereinsdokumentationen enthalten ist.  Durch die Satzung wurde bereits deutlich welche Ziele die Nationalsozialisten verfolgten. So konnten Mitglieder eines Vereins nur unbescholtene Deutsche werden. Als Deutsche galten dabei nur Volksgenossen, deren Eltern und Großeltern Arier waren (3. Generation).

Die Gleichschaltung der Vereine in Deutschland wurde in der Generalversammlung vom 20.05.1933 thematisiert und diskutiert.

Auszug aus dem Protokoll: Der Klassenkampf soll verschwinden. Diesen kannten wir Turner von jeher nicht. In den Zusammenkünften herrschte immer Einigkeit. Wir kannten nicht arm und reich, hoch oder niedrig, wir waren Turner und das soll so bleiben.

Trotzdem nahm das politische Geschehen auch Einfluss auf das Vereinsleben. Der Umgang untereinander veränderte sich. Verschiedene politische Gruppen und Juden mussten aus dem Verein ausgeschlossen werden. Der unvoreingenommene kameradschaftliche Umgang untereinander hatte einen Riss bekommen. Demokratische Grundregeln wurden außer Kraft gesetzt, die Umklammerung durch die Nationalsozialisten zeigte Wirkungen.

Die Sportler hielten aber an Ihren Idealen fest und nahmen dabei große Strapazen auf sich.

Auszug aus dem Schriftführerbuch vom Mai 1934: Früh um dreiviertel 5 fanden sich 26 Turner zusammen und bei nebligen Wetter marschierten wir zur Bahn nach Lauterbach-Süd. Wir fuhren mit Sonntagsfahrkarte bis Ilbeshausen und wanderten von hier ab bis zum Hoherodskopf. Gleich nach Verlassen der Ortschaft nahm uns der frische Wald auf. Zuerst ging es auf markierten Pfaden und dann auf der Straße dem Ziel entgegen. Um halb 9 gelangten wir oben an. Zu unserem Erstaunen war noch alles in Nebel gehüllt. Wir verlorenen jedoch den Mut nicht, frühstückten erst einmal richtig und vertrieben uns dann die Zeit mit Speerwerfen und dem Gesang einiger froher Lieder. Gegen 11 Uhr brachen jedoch die ersten Sonnenstrahlen durch und wir besichtigten nun die Sprungschanze und die Jugendherberge. Dann wanderten wir hinüber zum Taufstein und bestiegen den Bismarkturm. Leider hatte man durch den in den Tälern schwebenden Nebel keine schöne Aussicht und kehrten darum gleich wieder zum Hoherodskopf zurück. Indessen hatten sich unzählige Menschen dort eingefunden. Die noch übrige Zeit wurde durch Handballspielen gemeinsam mit Eichelhain ausgefüllt. Um rechtzeitig wieder in Ilbeshausen an der Bahn zu sein, gingen wir beizeiten vom Hoherodskopf weg. Das schönste natürlich war, der Zug ging nicht mehr und wir mussten deshalb auf den letzten Zug warten. Wir kehrten deshalb im Hotel "zum Felsenmoor" ein. Bei dem Gesang froher Lieder, beim Tanz und beim Bier ließ es sich auch gut auf den Zug warten.

Eine Stunde vor Mitternacht kamen wir wieder zu Hause an.

In den nächsten Jahren, bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges, waren die Turner des Turnvereins 1919 Maar sehr aktiv. So nahm der damalige Oberturnwart, Wilhelm Eidmann, an verschiedenen deutschen Turnfesten teil, so 1938 in Breslau. Aber man sollte auch festhalten, dass die Maarer Turner einem "zunehmendenErfolgsdruck" ausgesetzt waren. So wurde vor jedem bedeutendem Sportfest (Hoherodskopffest, usw.) interne Ausscheidungen ausgetragen. Es konnten nur diejenigen Turner daran teilnehmen, die die geforderte Punktzahl erhielten.

Als man 1939 die Vorbereitungen zum 20- jährigen Bestehen festlegte, ahnte noch niemand, dass die Turner und Sportler des Turnvereins 1919 Maar ihre Kräfte zum Zeitpunkt des Jubiläums nicht auf dem Sportplatz oder an den Geräten messen durften. In seiner letzten Eintragung vom 13.01.1939 hält der damalige langjährige Schriftführer Philipp Schrimpf folgendes fest:

Am 25. Februar 1939 soll das 20- jährige Bestehen des Vereins gefeiert werden. Es soll wie die üblichen Werbeabende mit Turnen, Theater und Tanz  und der Weihe der neuen Fahne durchgeführt werden.

Das 20- jährige Jubiläum des Turnverein 1919 Maar, konnte aber nicht wie vorgesehen stattfinden. Die Sportler des Vereins zogen hinaus, ihre Heimat zu verteidigen und zu helfen. Viele der damaligen Turn- und Sportfreunde kehrten aus dem gewaltigen Völkerringen nicht mehr in die Heimat zurück.

Die erste Eintragung nach dem Ende des 2. Weltkrieges wurde von Johs. Zinn IV im März vorgenommen, der an die letzte Eintragung des langjährigen Schriftführers Philipp Schrimpf erinnern soll:

Obige Eintragung vom 13.1.1939 ist die letzte von unsrem Schriftführer Philipp Schrimpf. Er ist bis heute nicht aus dem Kriege zurückgekehrt. Sein Verbleib ist ungewiss.

Wir werden stets seiner gedenken.

Das Vereinsleben kam völlig zum Erliegen. Die Siegermächte hatten eine Vereinstätigkeit völlig verboten. Der Turnverein 1919 Maar hatte somit aufgehört zu existieren.

Trotz allen Widerständen wurde von einigen beherzten jungen Männern im Jahre 1946 die Sport- und Spielgemeinschaft Maar gegründet. Der 1. Vorsitzende, der von 1946 bis 1949 die Sport- und Spielgemeinschaft Maar führte, war der 1. Vorsitzende Wilhelm Boß. Die Turner hatten schon bald wieder ein "Spitzenteam".

Im Jahr 1949 konnte schließlich auch wieder der Name TV 1919 Maar geführt werden.

Ebenfalls im Jahr 1949, genau genommen am 29. Oktober, feierte der Turnverein 1919 Maar sein 30-jähriges Stiftungsfest im Hofmannischen Saal in  Neu-Maar. Der damalige 2. Vorsitzende und spätere 1. Vorsitzende des Vereins, Wilhelm Eidmann, konnte zahlreiche Gäste an diesem Abend begrüßen. Er gab diesem Stiftungsfest  den Leitspruch: Ehre das Alte, wage das Neue mit frischem Mut.

Der langjährige 1. Vorsitzende, Johannes Zinn (Mitbegründer des Vereins) berichtete über die 3 Jahrzehnte des Turnvereins Maar. Er berichtete, dass viel Arbeit, Ärrger und Verdruss aber auch viel Freude in diesen 30 Jahren durchgestanden bzw. überstanden werden mussten. Er schloss mit den Worten:

Mit der Jugend muss man leben um im Alter jung zu sein.

Auszug aus Zeitungsbericht vom 30 jährigen Stiftungsfest des Turnvereins am 29.10.1949:

Am Samstagabend hatte der TV 1919 Maar seine Mitglieder und Freunde zum dreißigjährigen Stiftungsfest in den Hofmannschen Saal eingeladen. Ein abwechslungsreiches Programm vermittelte den zahlreich Erschienen neben Unterhaltung und Freude, den jungfrischen Geist, der in der deutschen Turnerei zu Hause ist.

Wilhelm Eidmann, der 2. Vorsitzende des Vereins hieß die Mitglieder, Freunde und Gäste in einer herzlichen Ansprache willkommen, zeigte die Fortschritte des TV 1919 in den drei Jahrzehnten seines Bestehens auf und gab dem Stiftungsfest den Leitspruch: Ehret das Alte, waget das Neue mit frischen Mut !

Sodann sprach Hans Zinn, Mitbegründer des Vereins und langjähriger 1. Vorsitzender über Entstehung und Kinderjahre des TV.

"In den drei Jahrzehnten, die hinter uns liegen, liegen viel Arbeit, Ärrger und Verdruss, doch auch viel Freude" sagte er "der Verein hat die Kinderkrankheiten, die jeder Verein durchmachen muss, gut überstanden." Er schloss mit den Worten: " Mit der Jugend muss man leben, um im Alter jung zu sein. Damit verwies er auf das, was die Veteranen des Vereins der Jugend und das, was die Jugend den Veteranen zu danken hat. Ansprechende Worte fand der Redner in Bezug auf das Wirken des Vereins " zum Wohl unserer Jugend und unseres Dorfes".

Nach einer Ehrung der Jubilare des Vereins durch eine Verlesung ihrer Namen, bot ein buntes Programm eine gute Unterhaltung. Übungen der Turner an Pferd, Barren und Reck sowie Volkstänze der Mädels wechselten auf der Bühne ab, über deren Bretter dann noch ein Schwank " Walzertraum" ablief, der die Lachmuskeln in Tätigkeit setzte. Danach wurde nach den Klängen der Kapelle Wurm, Hergersdorf, das Tanzbein geschwungen.

 

Alles in allem ein gelungener Festabend, der hoffentlich auch vielen jungen Herzen das vermittelte, was den Veranstaltern das Wesentliche ist: die Liebe zur Turnerei und dem Verein TV 1919 Maar!

 

Der Vorstand im Jubiläumsjahr 1949: 

  1. Vorsitzender: Wilhelm Boß
  2. Vorsitzender: Wilhelm Eidmann
  1. Beisitzender:  Johannes Zinn III (Fuhr)
  2. Beisitzender:  Wilhelm Seibert

1. Schriftführer:    Hans Günther

2. Schriftführer:    Johannes Zinn IV (Schuche)

1. Turnwart:          Ludwig Merz

2. Turnwart:          Karl Boß

Spielwart Handball: Wangler (Vorname unbekannt)

Stellv. Spielwart:  Lorenz Martin

 

In den nächsten Jahren entwickelte sich der Verein zu einem "Spitzenverein" im Kreis. Die Turner waren weit über die Grenzen des Gaus bekannt und die Handballer eilten teilweise von Sieg zu Sieg. In der Frühjahrs-Generalversammlung  am 03.03.1954 erklären sich alle anwesenden Mitglieder damit einverstanden, den Verein gerichtlich eintragen zu lassen. Der damalige 1. Vorsitzende, Eidmann, beantragt die Eintragung beim Amtsgericht in Lauterbach. Seit März 1954 ist der Turnverein 1919 Maar ein eingetragener Verein.

Im Jahr 1956 wurde Erich Appel zum Schriftführer des TV 1919 Maar gewählt. Er war Schriftführer von 1956 bis 1986 und führte diese  Aufgabe vorbildlich aus.

Am 28.02.1959 wurde in der Generalversammlung, in der Gastwirtschaft Bensel (Schanne Hans) in einer denkwürdigen Abstimmung Kurt Zinn zum neuen Vorsitzenden des Turnvereins 1919 Maar berufen. Noch heute berichten "alte Hasen" über diesen Abend.

In diesem Jahr 1959 sollte der Turnverein Maar sein 40- jähriges Vereinsjubiläum begehen. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Turnverein Maar einen Mitgliederbestand von 154 Mitgliedern. Das Vereinsjubiläum wurde in festlichem Rahmen gefeiert. Am 19.09. wurde ein Kommersabend im "Grünen Baum" durchgeführt. Viele Vereine, Gemeindevertretungen, Gauvorstände, erwiesen dem "Geburtstagskind" die Ehre. Vorsitzender Zinn konnte an diesem Kommersabend den ersten Vorsitzenden des Turnvereins 1919 Maar, Herrn Lehrer Stephan, begrüßen. Des Weiteren würdigte Zinn an diesem Abend die Verdienste des Ehrenvorsitzenden Johannes Zinn III. Am nächsten Tag wurde das Jubiläum nach einem gemeinsamen Kirchgang mit einem Turnfest, sowie am Nachmittag mit einem Handballblitzturnier fortgesetzt. Am Abend traf man sich zu einem gemütlichen Beisammensein mit der Kapelle Vollmüller im "Grünen Baum", um auch das Jubiläum auf diese Art und Weise zu feiern.

Der Vorstand des Vereins im Jubiläumsjahr 1959:

 Ehrenvorsitzender:   Johannes Zinn III (Fuhr)

1. Vorsitzender: Kurt Zinn

2. Vorsitzender: Heinrich Schössler

Geschäftsführer:  Erich Appel

                               Kurt Boß

Rechner:                Johannes Günther VI.

  1. Beisitzender:  Wilhelm Otto Seibert
  2. Beisitzender:  Wilhelm Wöll

 

Fachwarte:      

Turnen:                 Karl Boß

                            Karl Seibert

Leichtathletik:      Walter Boß

                            Helmut Seibert

Handball:              Richard Maurer

                            Konrad Höhl

Fußball:                Heini Rockel

Zeugwart:             Willi Günther

Die sechziger Jahre waren weitere Meilensteine in der Geschichte des Turnvereins 1919 Maar. So konnte man sich im Juni 1960 zu einer Fahnenweihe im "Grünen Baum" treffen. In einem festlichen Akt wurde die Fahne, die auf der einen Seite einen Ball mit der Aufschrift "großes Werk gedeiht nur durch Einigkeit" sowie auf der anderen Seite das Turneremblem mit der Einzeichnung "Turnverein 1919 Maar". Um diese Fahne hatte es die erste große Zerreißprobe innerhalb des Turnvereins Maar gegeben, die sogar so weit ging, dass ein Vorstandsmitglied sein Amt niederlegte und verschiedene Mitglieder aus dem Verein austraten. Trotzdem war der Turnverein in seinen Abteilungen gefestigt. Die Erfolge, die vor allem die Handballer in den sechziger Jahren errangen, sind in eigenständiger Form bis heute unerreicht. Verschiedene Male wurde man Bezirksmeister in Halle und Feld. Die Turner, unter Regie der bewährten Kräfte Heinen, Döring und Boß, konnten von Erfolg zu Erfolg eilen.

 

Primäres Ziel des damaligen Vorstandes, war es für die Sporttreibende Jugend in Maar eine "anständige" Halle zu bekommen. Es war aber ein langer und aufreibender Weg bis aus der vorgesehenen Mehrzweckhalle eine Schulturnhalle wurde. Hier war es vor allem der damalige 1. Vorsitzende Zinn, der "alle Hebel in Bewegung setzte" um dieses Ziel zu erlangen. Der TV Maar verfügte damit Ende der sechziger Jahre über ideale Trainingsbedingungen.

 

Zu den zwei traditionellen Abteilungen Turnen und Handball, gesellt sich 1964 eine Faschingsabteilung, bei der vor allem Heinrich Schößler federführend war. In 1965 kam auch eine Ski- und Wanderabteilung dazu. Hier war der 1. Abteilungsleiter Karl Schmidt. In 1965 konnte man ebenfalls die vereinseigene Skihütte am Weinberg feierlich einweihen, so dass auch nun für den Wintersport ideale Sportbedingungen vorzufinden waren. Im Jahre 1968 wurde eine Tennisabteilung gegründet. In der Generalversammlung am 13.01.1968 wurde der Antrag auf Gründung einer Fußballmannschaft von der Generalversammlung mit 13 Ja zu 43 Nein Stimmen abgelehnt, da die Mitglieder eine Zweigleisigkeit von Handball und Fußball analog dem Frischbörner Vorbild für kontraproduktiv hielten. So bestimmte der Handball zu dieser Zeit weiterhin das Sportgeschehen im Turnverein.

 

Der Verein war Mitte der sechziger Jahre auf über 250 Mitglieder angewachsen. Der nächste Meilenstein in der Geschichte des Turnvereins Maar war das Jahr 1969 mit der Feier des 50- jährigen Bestehens.

Zuvor sollten jedoch in der Generalversammlung einige wichtige Beschlüsse verabschiedet werden. Der TV 1919 Maar sollte nach den Worten des 1. Vorsitzenden Kurt Zinn nach den modernsten Gesichtspunkten geführt werden, ohne jedoch den amateurhaften Charakter einzubüßen (Auszug Lauterbacher-Anzeiger vom 22. 01.1969). Auf Maarer Verhältnisse zugeschnitten, forderte er eine noch regere aktive Beteiligung, die Anstellung eines hauptamtlichen Trainers für Handball, die Trennung von Leichtathletik und Turnen, die Aufstellung einer Schwimmabteilung und den weiteren Ausbau der Ski- und Tennisabteilung, da beide Sportarten sich zum echten Volkssport entwickelt hätten. Weiterhin setzte er sich für eine Trennung im Vorstand ein. Nach erfolgter Beschlussfassung wurde der Vorstand dann unterteilt in einen geschäftsführenden und einen Turnausschuss. Eine Aufteilung, die bis zum heutigen Tag in ähnlicher Form Bestand hat.

Die Jubiläumsfeierlichkeiten wurden exakt geplant um das Jubiläum zu einem unvergesslichen Ereignis werden zu lassen.

In einem umfangreichen Festprogramm hatte man einige "Leckerbissen" vorbereitet. So hatte man die Bundesliga-Turnmannschaft des TSV Heusenstamm eingeladen, inklusive der beiden Weltklasseturner Willi Jaschek sowie Helmut Tepasse, die zur damaligen Zeit auf dem Höhepunkt ihrer Turnerkarriere waren. Für die Handballfreunde hatte man mit dem Treffen der Spielvereinigung Kassel (Bundesliga) gegen den Oberligisten TV Hanau einen Leckerbissen für das Großfeld vorgesehen. Kassel konnte nach ständig wechselnder Führung und einem an Höhepunkten reichen Spiel am Ende knapp mit 18:17 gewinnen.

Ganz souverän spielte die erste Garnitur der Maarer Handballer auf, die auf dem Großfeld Holzheim (Kreis Dietz) mit 20:10 besiegte.

Ebenfalls veranstaltet wurde ein großes Gau-Schülerturnfest des Turngau Mittelhessen.

Höhepunkt der Jubiläumsfeierlichkeiten war jedoch der große Festzug am 13. Juni, der trotz der durch den Ausbau der Ortsdurchfahrt gesperrten Straßenzüge viele Schaulustige und Teilnehmer anzog. Neben den Turnern beteiligten sich auch die örtlichen Vereine zahlreich. Die noch lebenden Gründer des TV wurden in einer Ehrenkutsche gefahren. Am Nachmittag herrschte auf dem Festplatz reger Betrieb. Zeitungsberichten zu Folge schwangen auf dem Tanzpodium  die Festteilnehmer das Tanzbein bis weit nach Mitternacht.

 

Der Vorstand im Jubiläumsjahr 1969:

  1. Vorsitzender:         Kurt Zinn
  2. Vorsitzender:         Heinrich Schössler

1. Schriftführer:           Erich Appel

2. Schriftführer:           Kurt Boß

1. Beisitzer:                 Willi Seibert

Oberturnwart:              Willi Döring

1. Turnwart:                 Walter Boß

1. Skiwart:                   Willi Wöll

2. Skiwart:                   Kurt Kreit

1. Leichtathletikwart:  Willi Wolf

2. Leichtathetikwart:   Rainer Kröll

Handballwart:              Hermann Rühl

1. Tenniswart:              Hans Günther

2. Tenniswart:              Frl. Eisenmeier

Handballschülerwart:   Karl Fischbach

Handballjugendwart:    Egon Müller

Kassierer:                     Willi Höhl

Mädchenschülerwartin: Elke Dahmer

Der wirtschaftliche Aufschwung in den siebziger Jahren machte auch nicht vor dem Turnverein Maar halt. Das Vereinsleben war zwar noch weiterhin intakt, jedoch war schon hier festzustellen, dass es  zukünftig Probleme bei Betreuern, Trainern usw. geben würde. Nichts desto Trotz wurde aber in 1974 eine neue Abteilung in den Turnverein Maar eingegliedert. Nach zähem Ringen konnte man sich in der Generalversammlung im Februar 1974 für die Errichtung einer Fußballabteilung entscheiden. Diese noch sehr junge Abteilung war am Anfang einigen "Zerreißproben" ausgesetzt. Heute ist die Fußballabteilung aus dem Vereinsleben des TV Maar nicht mehr wegzudenken und kann bis heute bereits beachtliche Erfolge aufweisen. So schaffte die 1. Seniorenmannschaft nach dem Aufstieg aus der C-Liga in die B-Liga in den achtziger Jahren sogar den Aufstieg in die A-Klasse Fulda-Mitte.

Die Tennisabteilung entwickelte sich zunehmend weiter und konnte im Jahr 1975 die Einweihung der Tennisplätze am Steinigsgrund vornehmen.

Die Handballabteilung des Turnvereins Maar feierte im Jahr 1976 ihr 50- jähriges Bestehen. Ein Euro-Turnier mit vielen Mannschaften aus In- und Ausland stand im Mittelpunkt des Festprogramms. Auch die Turner waren weiterhin rechtaktiv und konnten im Jahr 1976 und 1979 die Turn-Nationalriege verpflichten (mit Eberhard Ginger), was für sportbegeisterte Turner ein unvergessliches Erlebnis bleiben sollte. Im Jahr 1979 wurde das 60- jährige Bestehen mit einem Festzug gebührend gefeiert.

Im Jahre 1980 wurde Walter Boß in der Generalversammlung zum 1. Vorsitzenden gewählt. Er löste damit Kurt Zinn ab, der nach 21 Jahren Amtszeit nicht mehr kandidierte. Unter Kurt Zinn stieg die Mitgliederzahl von 137 auf 416 an und es wurden beachtliche sportliche Erfolge verzeichnet werden. Unter dem Beifall der Mitglieder wurde Kurt Zinn zum Ehrenvorsitzenden des TV 1919 Maar e.V. ernannt.

In seiner Amtszeit wurde er maßgeblich von Heinrich Schößler, dem 2. Vorsitzenden unterstützt, der dieses Ehrenamt von 1957 bis 1986 (29 Jahre) vorbildlich führte.

Im Jahre 1984 konnte der TV sein 75jähriges Jubiläum feiern, dass mit dem Auftritt der Kastelruther Spatzen im Festzelt am Schwimmbad und mit einem großen Umzug seinen Höhepunkt fand.

Die Handballer waren weiterhin eine feste Größe im Handballbezirk. Einer der außergewöhnlichen Höhepunkte war sicherlich die Trainerverpflichtung von Dr. Jürgen Gerlach. Doch trotz dieser besonderen Maßnahme konnte der sportliche Aufstieg nicht geschafft werden. Die vielen mitreisenden Spiele hier in der Turnhalle bleiben ein besonderes Kapitel in der Geschichte des Turnvereins. Aufgrund geänderter Anforderungen des Handballverbandes an das Spielfeld und die Turnhallen musste jedoch in die Großsporthalle nach Lauterbach umgezogen werden. Eine angeordnete Maßnahme, die dem Handballsport in Maar nicht förderlich war.

Mitte der 80er und Anfang der 90er Jahre war die erfolgreichste Zeit der Fußballabteilung. Durch den mehrmaligen Aufstieg in die Kreisliga A (besser bekannt unter Bezirksliga) wurde der Fußball in Maar auch bei den Vereinen im Raum Fulda bekannt.

Um die Jahrtausendwende zeigte sich aber immer deutlicher, dass insbesondere in den Mannschaftsportarten Handball und Fußball ein eigenständiger Spielbetrieb der jeweiligen Mannschaften nicht mehr zu gewährleisten war. So wurden im Handball mit Angersbach und später Lauterbach und im Fußball mit Heblos und später Wallenrod Spielgemeinschaften im Jugend und Seniorenbereich gebildet. Ursächlich dafür ist auch die breite Aufsplitterung in verschiedene Altersklassen im Jugendbereich, die für unsere dörflich geprägten Vereine kontraproduktiv wirkt, weil eine ausreichende Anzahl an Spielern und Umfeld im Trainer- und Betreuerstab nur noch schwierig oder gar nicht mehr gewährleistet werden kann.

Die Handballspielgemeinschaft, die dann den Namen HSG Vulkan Vogelberg trug, eilte in den frühen Jahren unseres Jahrtausends zunächst von Erfolg zu Erfolg und von Aufstieg zu Aufstieg. Bis in die Regionalliga führte der Siegeszug und vielen werden die  mitreißenden Spiele in der Turnhalle an der Wascherde unvergessen bleiben. Bei schnellem Wachstum und schnellem sportlichen Erfolg wächst im Amateurbereich mit der sportlichen Klasse sehr oft nicht die Klasse im kaufmännischen Management und im Controlling. Und so war es leider auch bei der HSG Vulkan. Fehler im kaufmännischen Management führten zu erheblichen finanziellen Belastungen und Risiken für die Trägervereine und schließlich zu der größten Krise der Vereinsgeschichte. Mit dem Rücktritt des kompletten Vorstandes im Jahre 2006 stand der Verein führungslos da und nur ein dreiköpfiger Notvorstand führte die Geschäfte zunächst weiter und versuchte die finanziellen Risiken in den Griff zu bekommen. Man sagt den „Määrer“ zu Unrecht nach, dass sie nicht die „Visonäre“ seien sondern eher auf Bewährtes und auf Tradition setzen. Doch genau diese Bodenständigkeit hat dazu geführt, dass die Wende zum Guten geschafft wurde  und eine Konsolidierung eingeleitet werden konnte.

So konnte am 31. Oktober 2009 das 90jährige Vereinsjubiläum gefeiert werden. Mit einem Kommersabend in der Turnhalle Maar (wo sonst gehört ein Turnverein hin) und einem bunten Programm aus Liedern (MGV Liederkranz Maar) und hervorragenden Vorführungen der Turner wurde auf die vergangenen 90 Jahre wahrlich festlich zurück geblickt. Alle Ortsvereine und alle Vereine des Altkreises Lauterbach sowie der Spielgemeinschaften gehörten genauso zu den Gratulanten wie der Ortsvorsteher, der Bürgermeister, die Pfarrerin sowie der Vertreter des Kreises.

Zur Jahreswende 2011 steht der Turnverein mit einem intakten Vorstand und 730 Mitgliedern auf einem in jeder Hinsicht stabilem Fundament und ist besonders stolz darauf nach über 90 Jahren noch immer Turner aktiv auszubilden. Und doch befinden wir uns in ständigem außersportlichem Wettbewerb. Sei es um die Sportangebote, sei es um Mitglieder, sei es um finanzielle Mittel, Spenden oder Zuschüsse. Die Führung eines Vereines wie des TV Maar erfordert ein hohes Maß an ehrenamtlichen Engagement. Verantwortung zu übernehmen und gleichzeitig noch aktiv an strukturellen und sportlichen Projekten mitzuarbeiten ist in der heutigen Zeit nur noch schwer leistbar und erfordert deshalb eine geordnete Distribution der entsprechenden Aufgaben an eine breite Basis der Vereinmitglieder. Diese Bereitschaft zur Mitarbeit ist - so muss kritisch festgestellt werden-  stark rückläufig und stellt den Vorstand vor Probleme, die er ohne die Basis nicht lösen kann. Die heutige „Mund abwischen und gehen“ Mentalität ist nicht vereinbar mit den Grundfesten und Ideologien der Vereinsarbeit. Deshalb ist es wichtig, dass wir im Verein wieder enger zusammenrücken, eine Schnittstelle zwischen Jung und Alt finden und die Aufgaben so verteilen, dass jeder ein bisschen, keiner zuviel, und alle mit dem gleichen Ziel, nämlich die Sport- und die Jugendarbeit im TV Maar zu fördern, mitarbeiten. Schließlich haben wir uns dazu in unserer Satzung verpflichtet.

 

Ehrenvorsitzende des TV 1919 Maar e.V.

 

      Johannes Zinn III (†)

      Kurt Zinn (†)

      Walter Boß

 

Ehrenmitglieder des TV 1919 Maar e.V.

 

Liste wird überarbeitet

 

    Anmerkung: Die Geschichte des TV 1919 Maar wird weiter aufgearbeitet. Dehalb werden  

    weitere Aktualisierungen folgen und schließlich auch die letzten Jahre aufgezeichnet.