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www.tv-maar.de, Seite: Unser Dorf    Datum: 27.Jun.2017

Geschichte von Maar

Maar wird urkundlich erwähnt

Maar wird erstmals 1252 urkundlich erwähnt. Der Ortsname deutet auf "Mohara" hin, eine wasserreiche Stelle oder ein Sumpfgebiet. Das Alter der Siedlung kann nicht einwandfrei geklärt werden. Es ist aber anzunehmen, dass der Ort wesentlich älter ist, als aus den Urkunden hervorgeht, denn die kargen Stellen im Vogelsberg dürften wesentlich später besiedelt worden sein als die fruchtbaren des Lauterbacher Grabens von Maar nach Müs. Im Vogelsberg wurden Siedlungen aber schon um 800 erwähnt.

Verschwundene Dörfer

Im Mittelalter wurden in der Gemarkung Maar noch andere Orte erwähnt, die heute nicht mehr existieren. In der Gemarkung Maar gab es im 13. Jahrhundert mindestens noch sechs weitere Siedlungen. Sie hießen:

 

Boln, Diemerod, Enzenrod, Epsrod, Immenrod, Meirod

Nach der Überlieferung soll es auch noch die Orte Brüglos und Bennerode gegeben haben. Über diese Orte liegen jedoch keine Urkunden vor.

Der Grund für den Untergang der Dörfer konnte bis heute nicht genau rekonstruiert werden. Es wird vermutet, dass wirtschaftliche Gründe der Landwirtschaft, Abwanderung der Bevölkerung in die Städte und schließlich die Pest als Hauptgründe für den Untergang verantwortlich waren.

Die Entwicklung unter den Lehensherren

Das Dorf befand sich zunächst im Besitz der Herren von Wartenberg, gehörte später dem Grafen von Ziegenhain und danach zum Gebiet der Riedesel. 1806 wurde Maar hessisch. Es war das zweitgrößte Dorf im Altkreis Lauterbach und hatte 1854 1142 Einwohner. Sie waren Bauern, Hintersiedler und Kleinbauern, die auch als Handwerker oder Arbeiter tätig waren. Es gab Sandgruben und Kalköfen.

 

Das Gemeindewirtshaus

Das Maarer Gemeindewirtshaus existiert seit etwa 1500. Dies geht aus einem Schreiben des Erzbischofs Jakob von Mainz an die Gebrüder Hermann und Theodor Riedesel hervor. Der Wirt des Gemeindewirtshauses hatte das Recht die Kirmes alleine zu halten. Er hatte dabei aber hohe Ausgaben, musste er doch an Pfarrer, Schulheiß und Lehre je zwei Maß Wein, Dorfwächter und Hirten je ein Maß Bier und an die Burschen zwei Maß Branntwein ausschenken. Bis 1870 diente das Gemeindewirtshaus dem geselligen Beisammensein und dem Durstlöschen der Maarer. Von da an bis in das Jahr 1968 diente es erst als Schulhaus und dann als Rathaus. Die geschnitzte Figur über der Schultüre soll einen Soldaten darstellen, der vor dem Wirtshaus im 30jährigen Krieg einen Maarer Bauern erschoss und dann auf Befehl von dem Feldherren Tilly aufgehängt wurde. An der Ecke des Schulhauses ist eine weitere Figur zu sehen, die Tilly selbst darstellen soll.

Die Michaelskirche

Im Mittelalter ist in Maar eine steinerne Kirche errichtet worden, in der die Lauterbacher Pfarrer oder Kapläne sonntäglich eine Frühmesse hielten. Die Kirche mußte 1585 bedeutend vergrößert werden, aber nach 200 Jahren war sie baufällig geworden. 1827 wurde die beeindruckende Michaelskirche nach fast 45jähriger Bauzeit eingeweiht. Die älteste Glocke Maars, versehen mit der Inschrift der vier Evangelisten hat alle Kriege überstanden und soll aus dem 14. Jahrhundert stammen. Andere ältere Glocken wurden immer wieder zu Kriegszwecken (Bau von Kanonen) eingeschmolzen. In Maar wird das christliche Gemeinschaftsleben intensiv gepflegt.

Die Entwicklung nach den Weltkriegen

Auf dem Bil, einer Bergkuppe (422 Meter über dem Meeresspiegel) wurde Basalt abgebaut und nach dem Zweiten Weltkrieg zu Schotter verarbeitet. Am westlichen Hang dieser Erhebung lernte die Jugend den Segelflug kennen. 1910 zählte Maar 1178 Einwohner, 1991 sind es rund 1650, heute im Jahre 2007 über 1800. Viele von ihnen arbeiteten als Weber. Durch den Zuzug vieler Heimatvertriebener stieg die Einwohnerzahl 1948 auf 1805. Neben der großzügig angelegten Hauptstraße mit den vielen Fachwerkhäusern ist die Schulstraße mit ihren Lehrerhäusern im Jugendstil bemerkenswert.

Im Jahre 1968 beschloss die Gemeindevertretung Maars eine Partnerschaft mit einer französischen Gemeinde anzustreben. Er ergaben sich Kontakte zu Cahuzac-sur-Vere, einer 1100 Einwohner großen Gemeinde inmitten eines großen Weinanbaugebietes, ca. 70 km von Toulouse entfernt. Nach gegenseitigen Besuchen wurde beschlossen den Beziehungen auch dokumentarisches Gewicht zu geben. Schließlich wurde am 21. November 1971 in einer Feierstunde im Rathaus von Cahuzac die Verschwisterungsurkunde von beiden Bürgermeistern unterzeichnet.

Die Eingemeindung zur Stadt Lauterbach

In Folge der sich abzeichnenden Verwaltungs-und Gebietsreform in Hessen wurde 1971 geplant,die Landkreise Alsfeld und Lauterbach neu zu gliedern. Die Gemeinde Maar sollte dabei in die Stadt Lauterbach eingegliedert werden. Um sich eine grössere Selbständigkeit zu sichern, wurden aber in Maar Pläne geschmiedet eine Großgemeinde mit den Ortschaften Maar, Wallenrod, Wernges und Reuters zu gründen. Nach dem diese Pläne jedoch schließlich am Widerstand einzelner Ortschaften scheiterte, beschloss die Gemeindevertretung von Maar am 10. August 1971 mit 10 gegen 2 Stimmen sich zum 31.Dezember 1971 freiwillig der Stadt Lauterbach anzuschließen. Mit diesem Datum endet die Selbstverwaltung der Gemeinde Maar und eine neue Epoche an der Seite der Stadt Lauterbach begann.  Am 10. September 1971 schließlich wurde der Grenzänderungs- und Auseinandersetzungsvertrag zwischen der Kreisstadt Lauterbach und der Gemeinde Maar unterzeichnet.

Maar heute

Im Zeitalter des world wide web hat Maar 1822 Einwohner (ohne Nebenwohnsitz 1695, Stand: 30.06.06) und ist damit weiterhin der größte Stadtteil Lauterbachs. Maar ist ein Dorf geblieben. Grössere Industriegebiete wie beispielsweise in Angersbach findet man in Maar nicht. Das Dorfbild ist weiterhin geprägt von der Landwirtschaft. Die heterogene Struktur früherer Jahre mit vielen kleinen Betrieben ist aufgebrochen, der Trend geht hier eindeutig in Richtung Massentierhaltung.

Das Handwerk wird in Maar ebenfalls gepflegt, das zeigt die Zahl der Handwerksbetriebe im Ort, die sich in der Mehrzahl mit der Holzbearbeitung beschäftigen. Auch in der Gastronomie besitzt Maar Lokalitäten, die weit über die Ortsgrenzen hinaus bekannt geworden sind.

Das Vereinsleben und Kirchenleben wird im Ort rege betrieben, ein Zeichen für eine erhaltene dörfliche Gemeinschaft.